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Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche

FamilienMagazin

Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche
25.
September
2019

Niemand allein kann ein Kind schützen

25. September 2019

Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. Dieses Thema bewegt viele Menschen. Während in früheren Jahrzehnten eine Mauer des Schweigens die Täter schützte und die Opfer isolierte, ist die öffentliche Diskussion heute so weit, die Probleme und ihre Ursachen relativ offen anzusprechen. Doch noch immer gibt es viele Unsicherheiten und offene Fragen. Das fängt bei den Begriffen an.

In den Medien ist meist von sexuellem Missbrauch die Rede. Sexualisierte Gewalt ist aber wesentlich weiter definiert. Darunter versteht man jede Verletzung der sexuellen Intimsphäre bzw. der sexuellen Selbstbestimmung einer Person. Ob es nun um eine in erster Linie psychische oder eine ausschließlich physische Gewaltausübung geht. Ebenfalls wichtig: Selbst wenn Kinder den sexuellen Handlungen von Erwachsenen oder älteren Jugendlichen zustimmen oder sie sogar einleiten, handelt es sich um Gewalt.

Fragt man sich nun, wie verbreitet sexualisierte Gewalt in unserer Gesellschaft ist, stößt man schnell an Grenzen. Wirklich belastbare Zahlen liegen nicht vor. Außer den gemeldeten und erfassten Fällen scheint es eine hohe Dunkelziffer zu geben. Daher lässt sich auch schwer belegen, ob Kinder und Jugendliche heutzutage häufiger oder seltener als früher sexuellen Übergriffen ausgesetzt sind.

Wichtige Aufklärungsarbeit leistet hier zum Beispiel auf Bundesebene die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs. Sie untersucht alle Formen von sexuellem Kindesmissbrauch in Deutschland und will Strukturen aufdecken, die sexuelle Gewalt in der Kindheit und Jugend ermöglicht haben. Auch der Frage, warum Aufarbeitung in der Vergangenheit verhindert wurde, geht sie nach.

Schutz vor sexualisierter Gewalt durch Vernetzung

Auf jeden Fall können betroffene Kinder und Jugendliche heute mit deutlich mehr Unterstützung rechnen, vor Ort in ihrer Kommune und darüber hinaus. Seit 2012 gibt es zum Beispiel den „Aktionsplan des Landes Hessen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt in Institutionen“. Ziel des Plans ist es, klare Präventions- und Interventionsstrukturen zu schaffen. 

Das heißt unter anderem: Die Betroffenen erhalten niedrigschwellige Hilfsangebote, die für sie leicht und ohne Hürden erreichbar sind. Entscheidend ist, dass sie in ihrem Umfeld auf Erwachsene treffen, die ihnen glauben und helfen, die entsprechende Beratung und Unterstützung zu bekommen. Es geht also um eine wirksame Vernetzung der unterschiedlichen Akteure und Angebote. Nur durch effektives Zusammenspiel mehrerer Stellen lässt sich gewährleisten, dass ein Kind bzw. Jugendlicher wirklich geschützt wird.

Fachtag für alle, die sich besser vernetzen wollen

Genau diesen Gedanken greift der hessische Fachtag zum Schutz vor sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen auf. Unter dem Motto „Niemand allein kann ein Kind schützen“ diskutieren Mitte Oktober Expertinnen und Experten aus der Praxis einen Tag lang über eine verlässliche Vernetzung von Beratung, Intervention und Prävention.

Der Fachtag wird von der hessenstiftung – familie hat zukunft veranstaltet und vom hessischen Ministerium für Soziales und Integration gefördert. Als Unterstützer ist der Paritätische Wohlfahrtsverband Hessen beteiligt.

Drei Dinge will der Fachtag leisten:

  • Überblick über die Beratungslandschaft und die spezifische Angebote in Hessen geben
  • Sozialministerium, Beratungsstellen und Kommunen besser mit- und untereinander vernetzen
  • den Austausch über Standards in der Beratung und die Entwicklung gemeinsamer Standards ermöglichen

Neben Grußwort, Impulsvortrag und moderierter Diskussion sieht das Programm drei Workshops vor, in denen diese Themen behandelt werden:

  • Wie gehen Prävention und Hilfe Hand in Hand?
  • Niemand allein kann ein Kind schützen – Vernetzung zwischen Institutionen
  • Qualifizierte Fachberatung – wie gelingt der Ausbau des Angebots?

Der Fachtag findet am 17. Oktober 2019 in Bad Nauheim statt. Die Anmeldung ist noch bis zum 11. Oktober möglich. Alle Infos hierzu unter: http://niemand-allein.hessenstiftung.de/index.htm 

Beratungsangebote in Hessen

Wer als Betroffener oder Vertrauensperson eine Beratungsstelle sucht, kann sich beispielsweise auf den Websites von Sozialnetz Hessen, Netzwerk gegen Gewalt oder Initiative „Trau dich!“ über das Angebot in seiner Region informieren. Auch das hessische Sozialministerium hält eine ausführliche Liste zum Download bereit.

In ganz Hessen gibt es zahlreiche Organisationen, die sich für Kinder und Jugendliche engagieren, die sexualisierter Gewalt ausgesetzt sind. Als eines von vielen Beispielen sei hier Wildwasser e.V. genannt, ein Verein mit einem großen Netz an Fachberatungsstellen für Mädchen und Frauen. Allein in Hessen ist Wildwasser in elf Städten vertreten.

 

Bildnachweis:
Photographee.eu / stock.adobe.com

 

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