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25.
September
2018

Was denken eigentlich Hessens Kinder?

25. September 2018

„Mich fragt ja keiner!“ Zum dritten Mal hallt diese Klage jetzt schon durch die Wohnung. „Dann hättest du mitkommen müssen“, ruft Corinna zurück. „Wir haben dir ein tolles Sofa ausgesucht, wirst du sehen.“ Sie kennt ihre Tochter Svenja nur zu gut. Erst keine Lust, kein Interesse. Dann plötzlich mitreden wollen, wenn der Zug längst abgefahren ist. Da steht Svenja auch schon im Türrahmen: „Froschgrün geht gar nicht.“ Corinna schüttelt lachend den Kopf: „Als ich dich gestern gefragt habe, gingen Pink und Orange nicht. Knalliges Grün war aber total cool. Warten wir einfach ab, was du morgen denkst, wenn das Sofa kommt.“

Kinder haben Meinungen, Ansichten, Stimmungen, so wie Erwachsene. Wer erfahren will, wie es ihnen geht, was sie bewegt, sollte sie also befragen. Das LBS-Kinderbarometer tut dies seit mehr als zehn Jahren in ganz Deutschland. Für das aktuelle Kinderbarometer erhielten rund 10.000 zufällig ausgewählte Kinder im Alter von 9 bis 14 Jahren einen Fragebogen, rund 570 davon in Hessen. Es spielte keine Rolle, auf welche Schule sie gehen oder ob ihre Eltern aus einem anderen Land stammen.

Die meisten Ergebnisse sind überaus erfreulich

In Hessen unterstützt die hessenstiftung – familie hat zukunft das LBS-Kinderbarometer. Die aktuelle Befragung wurde in ihrem Auftrag vom PROSOZ Institut für Sozialforschung – PROKIDS in Kooperation mit der Landesbausparkasse (LBS) Hessen-Thüringen und dem Deutschen Kinderschutzbund Landesverband Hessen e.V. durchgeführt. Die Umfrage drehte sich um die Themen Gesundheit, Toleranz, Mitbestimmung und Zukunft. 

Und wie sehen die Ergebnisse aus? Die erste gute Nachricht: Die große Mehrheit der Kinder fühlt sich gut. 84 Prozent beantworten die Frage nach ihrem persönlichen Wohlbefinden positiv. Das sind sogar noch etwas mehr als in der letzten Umfrage vor zwei Jahren. Ob sie aus Familien mit Migrationshintergrund oder Arbeitslosigkeit stammen, hat keinen dabei signifikanten Einfluss auf ihr Wohlbefinden. Hessens Familienminister Grüttner freute sich über das gute Zeugnis für Hessen, „das offensichtlich zunehmend immer familienfreundlicher wird.“

Frühstück muss zum Alltag gehören

Auch ihre Gesundheit beurteilen die meisten der befragten Kinder als gut bis sehr gut. Krank fühlen sie sich selten. Wobei aber rund ein Drittel angibt, öfters auch krank in die Schule zu gehen. 

Für knapp jedes zweite Kind gehört das Frühstück fest zum Alltag. Gleichwohl gibt zusammengenommen ein Drittel an, selten oder nie vor der Schule zu frühstücken. Der Schirmherr des hessischen Kinderbarometers, Minister Stefan Grüttner erklärte: „Frühstück muss zum Alltag gehören. Kinder weisen uns auf Bereiche hin, die aus ihrer Sicht nicht optimal laufen. Die Ergebnisse zeigen, dass Kinder heute in unterschiedlichen und nicht immer optimalen Lebensverhältnissen aufwachsen. Darum ist es uns so wichtig, dass wir uns über Fachtage der Verbraucherzentrale wie ‚Bildungsort Esstisch‘ darum kümmern, auch Erzieherinnen und Erzieher über gesunde Ernährung zu informieren. Denn der Grundstock für ein gesundes Leben wird in jungen Jahren gelegt.“

Fast alle unterstützen eine offene Gesellschaft

In Sachen Toleranz gegenüber anderen zeigen sich die meisten Kinder offener denn je. 95 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass jeder Mensch so sein dürfe, wie er ist. Rund 90 Prozent befürworten die gleichgeschlechtliche Liebe. Bei der konkreteren Frage, ob sie Familien mit zwei Müttern oder zwei Vätern gut finden, stimmten 41 Prozent zu, 28 Prozent lehnten dies ab.

Auf politischer Ebene mitreden will nur eine Minderheit

Und wie sieht es mit Mitspracherechten aus? Bei der Auswahl von Schule, Urlaubsort und Klassenfahrtsziel wollen sie mehrheitlich mitreden. Anders ist die Lage bei der Mitbestimmung auf kommunaler Ebene. An Entscheidungen in ihrer Stadt oder Gemeinde, die Kinder betreffen, wollen 54 Prozent der Befragten nicht beteiligt werden. Vor sechs Jahren lag dieser Wert nur bei 36 Prozent. Verone Schöninger, die Landesvorsitzende des Deutschen Kinderschutzbundes in Hessen, sieht diese Entwicklung kritisch und will handeln: „Wir wollen die politischen Gremien auffordern, Kinder in ihren Kommunen mehr in die Entscheidungsfindung einzubinden und offen mit ihnen zu diskutieren. Kinder- und Jugendparlamente können ein wichtiger Schritt sein. Positive Beispiele dafür gibt es.“ 

Die Mehrheit blickt optimistisch nach vorne

Insgesamt zeigt das LBS-Kinderbarometer eine recht positive Stimmungslage bei hessischen Kindern. Die meisten von ihnen blicken optimistisch in die Zukunft. Dennoch ist den Machern und Unterstützern des Barometers bewusst, dass trotz vieler guter Entwicklungen noch einiges zu tun ist, um das Leben aller Kinder in Hessen weiter zu verbessern.

 

Bildnachweis: Sergey Novikov/shutterstock.com

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