Donnerstag 14:00 Uhr
Katarina, Johanna und ich sitzen beim Mittagessen. Wir „besprechen“, was wir heute Nachmittag noch unternehmen können. Da Weihnachten vor der Tür steht, kommt von Johanna der Vorschlag, doch endlich einen Weihnachtsbaum zu kaufen. Katarina ist auch sofort begeistert. Beide schreien laut „Jaaaaa, wir kaufen einen Weihnachtsbaum“. Eigentlich wollte ich heute mit Johanna noch ins Kinderturnen für „Große“. Irgendwie muss ich ihr das noch schmackhaft machen. Da fällt mir ein, dass ihr Kindergartenfreund Karl auch schon bei den Großen mitturnt. Das ist das Argument schlechthin. Kaum ausgesprochen, ist Johanna schon Feuer und Flamme fürs „Großenturnen“.
In der Turnhalle angekommen, sieht die Sache dann schon etwas anders aus. Wir sind etwas zu spät dran und die Kinder toben schon durch die Turnhalle. Nur unter energischem Zureden ist Johanna bereit, sich neben Karl einzureihen und mitzumachen. Katarina ist das Toben und Kreischen zu wild. Sie verlangt, dass ich mich mit ihr auf die Bank setze. Aus der Distanz beobachten und kommentieren wir das wilde Durcheinander. Nach einer halben Stunde ist der Spaß vorbei, und Johanna kommt stolz auf uns zugelaufen. „Beim nächsten Mal will ich wieder mit den Großen turnen“, lautet ihr Fazit. Gut so, Ziel erreicht, grinse ich still in mich hinein.
Zusammen mit Karl und seiner Mutter machen wir auf den Heimweg. Karl, Johanna, Karls Schwester Lea und Katharina laufen voraus. Unser eigentliches Ziel, der Weihnachtsbaumverkauf, liegt auf dem Heimweg. Die Kinder biegen ab und verschwinden zwischen den Bäumen. Als Karls Mutter und ich dort eintreffen, haben alle Kinder schon einen großen Schokoladennikolaus in der Hand und einen Schokoladenbart um den Mund. Der Weihnachtsbaumverkäufer grinst. Um den Schein zu wahren, fragen uns die Kinder, ob sie denn die Schokolade essen dürfen. Na, dann wollen wir heute mal großzügig sein.
Wir beginnen mit der Auswahl des Weihnachtsbaumes. Johanna begutachtet einen Baum nach dem anderen und befindet alle für gut – nicht wirklich eine Hilfe. Katarina ist irgendwo zwischen den Bäumen verschwunden, ab und zu sehe ich eine rote Mütze durchs Dickicht ziehen. Mit mehr oder weniger guten Argumenten versuche ich Johanna für meine Favoriten zu begeistern. Zwei davon gelangen in die engere Auswahl. Karls und Leas Mutter hat es noch schwerer, Lea will unbedingt einen schiefen Baum. Sie ist der Meinung, dass schiefe Bäume ganz alleine zurück bleiben müssen, weil niemand sie kaufen möchte. Und vor diesem Schicksal will sie zumindest einen schiefen Baum bewahren.
Endlich haben wir uns entschieden, ich bin mir jedoch nicht ganz sicher, ob der Baum nicht zu groß ist. Johanna entwirft sofort einen Plan: der Baum muss gekürzt werden. Wir bezahlen und zum Abschied gibt’s noch mal Schoko-Nikoläuse. So sehen glückliche Kinder aus.
Gemeinsam tragen wir den Baum nach Hause. Katarina trägt die Spitze, Johanna die Mitte und ich den Baum. Da unser Tempo nicht allzu hoch ist, steuere ich geradezu auf einen mittelschweren Kraftakt zu. Ich treibe die beiden an, um zu vermeiden, dass mir die Arme abfallen. Wir kommen zehn Meter in gutem Tempo vorwärts, um dann wieder einen der vielen Nikoläuse, die an nahezu allen Fenstern hängen, zu begutachten. Wieder verlange ich höheres Schritttempo.
Nach weiteren zehn Metern entdeckt Katarina eine Katze und bleibt unmittelbar stehen. Johanna ist noch voll in Schwung und rennt sie beinahe nieder. Wir stoppen und freuen uns über die Katze. Ich freue mich eigentlich viel mehr, endlich mal den Baum abzusetzen. In diesem Tempo geht es noch ungefähr 15 Minuten weiter, bis wir dann endlich am Hauseingang ankommen. Beide Kinder erhalten ein dickes Lob für ihren großen Trageeinsatz. Mit tut alles weh. Johanna erinnert mich noch mal daran, dass der Baum im Treppenhaus gekürzt werden muss. Er sei ja zu hoch für die Wohnung. Meinen Vorschlag, doch erst mal in der Wohnung den Baum aufzustellen, um dann zu sehen, ob er zu groß ist, hält sie für eine „gute Idee“. Jetzt bin ich aber erleichtert. Und tatsächlich, er passt, von der Baumspitze bis zur Decke sind es 5 cm, und das ist gut so.
