„Das bekommen wir beide auch noch hin…“

Jenny und Fritz – aus dem Leben einer Alleinerziehenden

Unsere Familie – zumindest, der Teil, der unter einem Dach lebt – besteht nur aus zwei Personen: aus meinem vierjährigen Sohn und mir. Meine zwei Töchter sind bei ihrem Vater aufgewachsen, weil ich sie nach der Trennung nicht aus ihrer gewohnten Umgebung mit Haus und Garten und Oma reißen wollte. Wir sehen uns relativ selten, weil die beiden schon länger ihre eigenen Wege gehen. Die ältere studiert seit einiger Zeit, und die jüngere weiß auch schon ziemlich genau, was sie will. 

Fritz ist ein Wunschkind. Seinen Vater habe ich kennengelernt, als ich in Darmstadt lebte. Als er in Hamburg einen Job fand, habe ich dort meine Zelte abgebrochen und bin mit ihm gegangen. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis es geklappt hat mit der Schwangerschaft. Zuerst lief alles ganz gut, aber je näher der Geburtstermin rückte, desto mehr habe ich gemerkt, dass die Beziehung einfach nicht funktioniert. Ich habe mich von Fritz’ Vater getrennt, noch bevor er auf die Welt kam.

Danach bin ich noch ein Jahr in Hamburg geblieben. Das war allerdings alles andere als leicht. Weil ich ein eher zurückhaltender Mensch bin und nicht so leicht Freundschaften schließe, kannte ich dort kaum jemanden. Fritz’ Vater hatte sich nach Portugal abgesetzt, und bis heute habe ich keinen Euro Unterhalt von ihm bekommen. Ich musste Sozialhilfe beantragen, um Fritz und mich durchzubringen, und saß ziemlich oft mutterseelenallein mit dem Baby in meiner kleinen Bude. Schließlich überzeugte mich meine Schwester, dass ich zu ihr nach Wiesbaden ziehen sollte, damit ich wieder ein intaktes soziales Umfeld bekam.

Danach hat sich alles ziemlich schnell ziemlich gut entwickelt. Meine Schwester hat für mich den Wohnungsmarkt durchforstet und Angebote ausgewählt, die ich mir dann am Wochenende angeschaut habe. Innerhalb weniger Wochen hatte ich einen Vertrag in der Tasche und bin mit Fritz in unser neues Zuhause gezogen. Dort war dann alles viel einfacher, weil ich nicht mehr alles ganz ohne Hilfe auf die Reihe bekommen musste. Da war es dann auch nicht ganz so schlimm, dass die Behörden, mit denen ich zu tun hatte, so weit auseinander liegen und ziemlich viel Zeit fürs Busfahren draufging.

Ein Vierteljahr vor Ablauf der Erziehungszeit bekam ich einen Krippenplatz in einer Kita ganz in der Nähe. Ein echter Glücksfall - so konnte ich mich in aller Ruhe nach einem Job umschauen. Da ich gerne im sozialen Bereich arbeiten wollte, schlug mir die Sachbearbeiterin in der Arbeitsagentur einen Job bei der Wiesbadener Tafel vor. Das war nur ein 1-Euro-Job, aber mir gefiel das Konzept, das hinter der Einrichtung steht, und ich sagte zu. Nach knapp einem Jahr lief die Maßnahme aus und ich hätte eigentlich wechseln müssen. Aber weil ich gerne noch weiter bleiben wollte und zuverlässig war und meinen Job gut machte, bot man mir zunächst eine befristete Stelle und schließlich eine Festanstellung an.  

Mein Sohn und ich fühlen uns sehr wohl in Wiesbaden. Fritz ist in der Kita super aufgehoben, und ich habe über meine Arbeit viele interessante Leute kennengelernt, die die Wiesbadener Tafel als Ehrenamtler  unterstützen. Meine Schwester und ihre Familie sehe ich regelmäßig und Fritz genießt besonders die Zeit mit seinen beiden großen Cousins, die sich total lieb um ihn kümmern. Das einzige, was ich mir wünschen würde, ist, dass ich irgendwann mal nur von meiner Arbeit leben kann und nie mehr wegen Wohngeld oder Kinderzuschlag zum Amt muss. Und einen richtigen Urlaub, in dem Fritz und ich mal so richtig relaxen können. Aber das bekommen wir beide auch noch hin.

(Anmerkung: Die Namen wurden von der Redaktion geändert)

Inhalt erstellt am 15.03.2010  -  Zuletzt aktualisiert am 15.03.2010

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