Wenig Amt, viel Ehre

Mann mit Farbe im Gesicht

August 2002. Drei Tage lang schichten Tausende von Menschen aus ganz Deutschland in Dresden rund um die Uhr Sandsäcke und retten so etliche Häuser und Existenzen vor den Fluten des Jahrhunderthochwassers. Die meisten von ihnen sind freiwillige Helfer, die sich der Feuerwehr oder dem Technischen Hilfswerk angeschlossen haben und ohne große Umstände und ohne Entgelt mit anpacken, wo Not am Mann ist.

So medienwirksam wie dieser Einsatz gestaltet sich ehrenamtliche Arbeit allerdings eher selten. Viele der zahllosen Aktivitäten finden eher unspektakulär hinter den Kulissen statt – als Vorlesestunde in einem Kindergarten, als Kuchenbacken für das Vereinsjubiläum, als Trauerbegleitung im Hospiz.

Über 23 Millionen Deutsche – also mehr als ein Drittel der Bevölkerung – zeigen nach Angaben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Familie bürgerschaftliches Engagement und sind aktiv in kleinen und großen Vereinen, Institutionen und Selbsthilfegruppen. Ohne sie würden viele Initiativen, die ein funktionierendes und stimulierendes Miteinander ausmachen, schlichtweg nicht stattfinden, blieben Telefonseelsorge und Hausaufgabenhilfe, Suppenküche oder Stadtteilbibliothek wegen fehlenden Personals geschlossen.

Einsatz, der sich auszahlt

Die Gründe, warum Menschen für andere ohne Gegenleistung ihre Freizeit opfern, sind so vielfältig wie die Projekte, die sie mit gestalten. Die meisten von ihnen haben schon als Kind im Sportverein oder beim Nachbarschaftsfest mitbekommen, wie soziales Engagement allen nutzt, und sind in ihre Freiwilligenarbeit sozusagen hineingewachsen. Nun möchten sie aktiv dazu beitragen, dass diese Kultur der selbstverständlichen Hilfe auch weiterhin Bestand hat. Für viele ist der Einsatz nach Feierabend auch ein willkommener Ausgleich zu ihrer beruflichen Tätigkeit – wer den ganzen Tag am Computer Zahlen und Statistiken wälzt, ist anschließend froh, mit hoffnungsvollen Nachwuchskickern an der frischen Luft zu trainieren. Und nicht selten entwickeln sich aus den sozialen Kontakten, die ein Ehrenamt mit sich bringt, echte Freundschaften, die ein Leben lang halten.

Über den Spaß und die persönliche Befriedigung hinaus, die sie aus ihrem Einsatz für die Gemeinschaft ziehen, profitieren freiwillige Helfer aber auch in beruflicher Hinsicht. Teamfähigkeit, Kommunikationsstärke, interkulturelle Kompetenz und Motivationsfähigkeit (also die immer nachdrücklicher geforderten Schlüsselqualifikationen auf dem Arbeitsmarkt) werden bei der ehrenamtlichen Tätigkeit besonders intensiv trainiert – weil klassische Hierarchiestrukturen meist fehlen und die Aktiven sich überwiegend selbst organisieren müssen. Für viele Arbeitgeber zeugt das ehrenamtliche Engagement eines Arbeitnehmers außerdem von Verantwortungsbewusstsein und Leistungsbereitschaft, die über ein bloßes Abarbeiten des Pflichtprogramms hinausgeht. Und das kann als deutliches Plus gegenüber anderen Jobinteressenten, die ihrer Bewerbung keinen Ehrenamtsnachweis beilegen können, schon einmal zum Zünglein an der Waage werden.

Gesucht und gefunden

Wer ehrenamtlich aktiv werden will, muss sich nicht unbedingt einer Organisation anschließen. Oft reicht ein Blick in das nähere Umfeld, um ein geeignetes Betätigungsfeld zu finden: als spontaner Babysitter für eine gestresste Mutter, als Einkaufshilfe für den älteren Herrn nebenan, als Pate für eine begrünte Baumscheibe vor der Haustür. Wer sich längerfristig engagieren möchte, findet bei Vereinen und Sozialeinrichtungen die verschiedensten Einsatzbereiche – von rein verwalterischen oder organisatorischen Tätigkeiten bis hin zur intensiven, persönlichen Arbeit mit Menschen jeden Alters und jeder Herkunft.

Einen guten Überblick über den konkreten Bedarf an freiwilligen Helfern in Wohnortnähe geben die Freiwilligenagenturen, die als Netzwerk die Aktivitäten der unterschiedlichsten sozialen Einrichtungen bündeln. Sie beraten, welcher Einsatz den individuellen Voraussetzungen – also individuelle Vorlieben, vorhandene Qualifikationen und Zeitkontingent – des Interessenten am besten entspricht und stellen auf Wunsch den Kontakt zur jeweiligen Institution  her.

Engagement wird belohnt

Dass bürgerschaftliches Engagement zu einem wichtigen Faktor im sozialen Gefüge unseres Landes geworden ist, beweisen die Rahmenbedingungen, die vom Gesetzgeber für den Einsatz freiwilliger Helfer geschaffen wurden. Die hessische Landesregierung hat sich des Themas Ehrenamt in besonderem Maße angenommen und eine ganze Reihe von Maßnahmen verabschiedet, mit der das soziale Engagement der Bürgerinnen und Bürger gefördert und belohnt werden soll.

Um mögliche Versicherungslücken beim Einsatz ehrenamtlicher Helfer zu schließen, hat das Land Hessen beispielsweise Rahmenverträge mit einem großen Versicherungsanbieter abgeschlossen. Wer keine eigene Unfall- oder Haftpflichtversicherung hat, ist bei Schadensfällen, die während seiner freiwilligen Tätigkeit entstehen, auch ohne besondere Anmeldung automatisch versichert. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die im Bereich Kinder- und Jugendarbeit aktiv sind, können sich bis zu zwölf Tage im Jahr von ihren beruflichen Verpflichtungen bei Fortzahlung ihres Gehalts freistellen lassen – zum Beispiel für Qualifizierungsmaßnahmen zu Aufgaben wie Gruppenarbeit oder Vereinsmanagement. Die entsprechenden Voraussetzungen dazu sind im Hessischen Jugendhilfegesetzbuch verankert. Und wer sein Engagement Schwarz auf Weiß dokumentieren möchte, bekommt mit dem „Kompetenznachweis für Ehrenamt und Freiwilligenarbeit“, einer Jugendleiterkarte oder einem speziellen Zeugnisbeiblatt eine qualifizierte Bestätigung.

Als besonderes Dankeschön gibt es für hessische Bürger seit 2006 die Ehrenamts-Card, für die sich alle bewerben können, die sich durchschnittlich mindestens fünf Stunden pro Wochen unentgeltlich engagieren. Inhaber der „E-Card“ erhalten bei vielen Anbietern aus ganz Hessen attraktive Vergünstigungen wie ermäßigte Eintrittskarten oder Einladungen zu Sonderaktionen.

Inhalt erstellt am 16.08.2010  -  Zuletzt aktualisiert am 05.01.2012

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