Ulrike Huse, berufstätige Mutter und überzeugte Ehrenamtlerin
Soziales Engagement ist für mich ganz einfach Ehrensache. Als Mutter von drei Kindern ist es mir alles andere als egal, wie unser persönliches Umfeld aussieht. Und weil ich aus eigener Erfahrung weiß, dass man auch als Einzelner ganz schön was auf die Beine stellen kann, bin ich nicht nur in einer, sondern in verschiedenen Richtungen aktiv.
Angefangen hat mein Engagement sozusagen in kleinem Rahmen – als Elternvertreterin und Mitglied im Förderverein der Grundschule meiner Großen, der unter anderem einen Schulgarten angelegt und den Pausenhof neu gestaltet hat.
Irgendwann bin ich dann auf einer Stadtteilkonferenz mit vier anderen Müttern zusammengetroffen, die sich genau wie ich über den maroden Spielplatz in unserem Viertel geärgert haben. Als wir von einer Fördermittelstelle für lokale Projekte angesprochen wurden, haben wir uns spontan zu einer Elterninitiative zusammengeschlossen und einen Projektantrag zur Sanierung des Wärterhäuschens gestellt – der dann auch prompt bewilligt wurde.
Das Geld, das wir dafür bekommen haben, haben wird dann aber gar nicht ganz gebraucht, weil die Stadt sich entschlossen hat, uns bei unserem Vorhaben zu unterstützen. Damit unsere Fördermittel nicht verfallen, haben wir unser Projekt ausgeweitet und einen jungen Mann aus Mosambik eingestellt, der uns von der mobilen Jugendarbeit empfohlen wurde. Der kam dann drei Mal die Woche auf den Platz hat Programm für die Kids aus dem Viertel gemacht – mit Seilspringwettbewerben, afrikanischen Singspielen und was ihm sonst noch so alles einfiel.
Mittlerweile ist unsere Initiative ein eingetragener Verein, der seit 8 Jahren aktiv ist. Gemeinsam haben wir es geschafft, dass der Spielplatz komplett saniert wurde, ein Platzwart die Saison über für Ordnung sorgt und unser Spielprogramm sich zu einer festen Einrichtung entwickelt hat. Wir konnten es vor vier Jahren sogar um eine Aktion für Jugendliche erweitern, bei der zwei Mal pro Woche kostenloses Fußballtraining auf dem angrenzenden Bolzplatz stattfindet – was besonders meinen Mann freut, der früher oft mit unserem Sohn dort gekickt hat und mittlerweile Kids im Fußballverein trainiert.
Viele fragen mich, warum ich so viel Zeit in meine ehrenamtliche Arbeit investiere. Und meine Antwort ist immer dieselbe: Weil ich es wichtig finde, sich nicht nur für eigene Interessen einzusetzen, weil es Spaß macht und man unglaublich viele tolle Leute kennen lernt. Für mich hat sich aus diesen Kontakten sogar eine neue berufliche Perspektive erschlossen. Vor ein paar Jahren konnte ich über ein Förderprojekt kostenlos an einer Mediatorenausbildung teilnehmen, die ich als Zusatzqualifikation bei einer Bewerbung in einer Beratungsstelle aufgeführt habe. Ich habe den Job bekommen – und sogar noch weiter ausgebaut. Mittlerweile biete ich als selbstständige Mediatorin Unterstützung bei Problemen in der Familie oder mit Nachbarn an und habe das Gefühl, endlich genau den Beruf gefunden zu haben, der zu mir passt.
Ulrike Huse (42) aus Wiesbaden
